Nr. 3.: Bundesregierung lässt die Katze aus dem Sack

(unter diesem Titel werde ich in der nächsten Zeit Beiträge veröffentlichen, die sich mit den aktuellen Sparplänen der Regierung auseinandersetzen. )

Es geht um einen Offenen Brief an das „Bündnis für einen starken und
zukunftssicheren Sozialstaat“,
in dem die AutorInnen aus ihrer Sicht die Sparpläne der Regierung kritisieren.

Der hier abgedruckte Text nimmt gleichermaßen die Regierungsplänen aber eben auch die Vorstellungen dieses aus 14 zivilgesellschaftlichen Gruppen (Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und viele anderen) zusammengeschlossenen Bündnisses unter die Lupe. Ich finde die Aussagen dieses Offenen Briefes sehr differenziert und besonders interessant, weil sie aus der für uns „Fachleute“ nicht selbstverständlichen Perspektive unmitelbar Betroffener stammt und möchte sie deshalb gerne allen LeserInnen zur Kenntnis geben und zur Diskussion stellen.

Erster Mai 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 10. März 2026 haben Sie das Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Reaktion der Öffentlichkeit war bis heute eher verhalten. Ihre gemeinsame Erklärung zum Sozialstaat enthält sowohl Richtiges als auch offensichtlich Falsches – vor allem aber fehlt Entscheidendes. Angesichts der Lage in Deutschland und weltweit halten wir das für fatal. In der Realität versagt der heutige Sozialstaat, den Sie im Wesentlichen verteidigen und so beibehalten wollen, in hohem Maße – insbesondere schafft er eben gerade keine „soziale Sicherheit in unsicheren Zeiten“.

  1. Nichtinanspruchnahme, Stigmatisierung, Schädigung der Erwerbsmotivation.
    Viele (bedürftige) Menschen erhalten keine oder keine ausreichenden Leistungen vom Sozialstaat, da sie aufgrund von Unwissenheit, bürokratischen Hürden oder der Angst vor Stigmatisierung und Beschämung Leistungen nicht abrufen, die ihnen zustehen würden. Wer Transferleistungen bezieht, ist in vielen Fällen von Stigmatisierung betroffen, was sich auf die Selbstachtung, die sozialen Kontakte und die Gesundheit der Menschen auswirkt und darüber hinaus ein Einfallstor für gesellschaftliche Spaltung darstellt („Sozialschmarotzer“-Vorwurf). Wer Transferleistungen bezieht, profitiert finanziell in vielen Fällen kaum von eigenen Erwerbsanstrengungen, da erzieltes Einkommen zum Großteil angerechnet wird und davon daher am Ende kaum etwas übrig bleibt. Das erklärte Ziel, möglichst viele Menschen zur Erwerbsarbeit zu motivieren, wird so konsequent konterkariert. Auch daraus folgt eine weitere gesellschaftliche Spaltung, der Vorwurf der „Faulheit“ gegenüber Transferleistungsempfangenden.
    Es kommt hinzu, dass die Unterscheidung zwischen „arbeitsfähigen“ und „nicht arbeitsfähigen“ Transferleistungsempfangenden in der Realität nur sehr eingeschränkt funktionieren kann. Das gilt insbesondere für Menschen mit psychiatrischen Diagnosen, welche weiter zunehmen. Im heutigen System besteht immer ein Verdacht, dass Menschen ihre Beschwerden nur vorschützen, also „simulieren“, um dem Zwang durch das Jobcenter zu entkommen. Mittlerweile werden auch Ärzt*innen verdächtigt, zu leichtfertig Krankschreibungen auszustellen. Das ist für alle Beteiligten wie auch aus gesundheitspolitischer Sicht ein Problem.
    Dass Sie das vom damaligen Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Müntefering formulierte „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ nach wie vor unkommentiert im Raum stehen lassen und die Folgen einer solchen Sozialstaatskonzeption damit offenbar für hinnehmbar halten, spricht Bände.
  2. Fixierung auf Erwerbsarbeit
    In Deutschland (und weltweit) werden mehr Arbeitsstunden unbezahlt geleistet als bezahlt. Ohne diese Arbeit in den Bereichen Haushalt, Care, Demokratie, Kunst und Kultur sowie weiteres bürgerschaftliches Engagement kann unsere Gesellschaft nicht existieren, geschweige denn sich weiterentwickeln. Daher muss ein wirklich starker und zukunftsfähiger Sozialstaat die unbezahlte Arbeit aller Menschen finanziell absichern und ermöglichen. Auf der anderen Seite ist erwerbsförmige Arbeit aus volkswirtschaftlicher oder Gemeinwohlperspektive nicht immer sinnvoll. Der Ökonom Günther Moewes setzte den Anteil von sinnlosen oder schädlichen Jobs sogar mit 40-60% an. Es gibt ganze Branchen, die aufgrund ihrer Effekte, etwa auf Gesundheit oder Umwelt, mehr schaden als nutzen (z.B. die Tabakindustrie oder die Fossilen Industrien). Viele Erwerbsarbeitsplätze haben negative Auswirkungen, da für sie knappe Ressourcen eingesetzt werden müssen, z.B. müssen Gebäude errichtet und unterhalten und teils lange Pendelwege zurückgelegt werden. Es ist angesichts der ökologischen Krise geboten, in Zukunft sehr gut abzuwägen, welche Arbeit wirklich getan werden muss und welche wir unterlassen sollten.
    Schließlich ist es entwürdigend und eine Verschwendung von Lebenszeit, Dinge zu tun, nur um „beschäftigt“ zu sein und ein Einkommen zu erhalten, während es wirklich mehr als genug zu tun gäbe für alle. Zum Teil führt das dazu, dass „Arbeit“ nur noch simuliert wird – oder nicht effizient gearbeitet wird. Es gibt auch keine „sicheren Arbeitsplätze“ (außer vielleicht für Beamte), da sich die Welt ständig verändert. Gäbe es sie, wäre das nur bedingt hilfreich, weil sich auch Menschen verändern und nicht unbedingt über ihre ganze Lebensspanne hinweg dieselbe Tätigkeit ausführen wollen oder können.
    Soziale Sicherheit muss also unabhängig von Erwerbsarbeit organisiert werden!
  3. Sorgearbeit und Care-Krise
    Die zunehmende Unsicherheit und der Zwang zur Erwerbsarbeit führen dazu, dass wir Menschen uns immer schlechter um uns selbst und unsere Mitmenschen kümmern können. Eine allgemeine Verrohung greift um sich. Kinder zu haben oder pflegebedürftige Angehörige wird als „Privatangelegenheit“ angesehen, um die sich die Betroffenen selbst kümmern sollen – möglichst ohne „der Gesellschaft zur Last zu fallen“. Sorge für das große Ganze, die natürlichen Lebensgrundlagen oder die Demokratie wird immer weiter erschwert und ist fast nur noch den Menschen aus wohlhabenderen Kreisen überhaupt möglich. Diese werden dann oft genau dafür kritisiert – anstatt dafür zu sorgen, dass alle Menschen sich ein solches Engagement leisten können. Fakt ist, dass unsere Spezies schon rein biologisch auf Kooperation ausgerichtet ist, wir sind in hohem Maße aufeinander angewiesen. Die herrschende Ideologie, „jeder sei sich selbst der Nächste“, ist
    daher absolut zerstörerisch und gefährlich. Wir brauchen einen Umbau zur Care-Ökonomie, in der sich Menschen immer sinnmotiviert und kraftvoll in eine Sorgende Gesellschaft einbringen können.
  4. Demokratie und Bildung
    Demokratie funktioniert nicht ohne Menschen. Im antiken Griechenland, auf das immer gerne als „Wiege der Demokratie und unserer Kultur“ Bezug genommen wird, war immer klar, dass jeder, der oder die sich politisch engagieren will oder soll, dafür Zeit und finanzielle Sicherheit braucht. Die Auffassung, dass Menschen „beschäftigt“ werden müssen, ist aus demokratischer Perspektive grundfalsch. Sie brauchen, ganz im Gegenteil, möglichst große Freiräume, um sich informieren zu können, nachzudenken, zu diskutieren und sich in der für sie sinnvoll erscheinenden Form ins Gemeinwesen einbringen zu können. Für die Gemeinwohlbindung der Bürgerinnen ist es notwendig, dass sie als Menschen willkommen sind in der Welt – nicht nur als Arbeitnehmer*in oder „Beschäftige“.
    Auch Bildung bedarf Zeit und Muße. Jene wird heute häufig nur noch als berufliche Bildung („Employability“) verstanden, was eine gefährliche Verkürzung ist. Alle Menschen brauchen ausreichende finanzielle Sicherheit, um sich wirklich eigene Gedanken über die Welt und ihren Platz darin machen zu können. Wer sich die ganze Zeit nur im Hamsterrad dreht, hat dazu keine Chance.
  5. Ökologie
    Es ist genug für alle da – für ein menschenwürdiges Leben aller Menschen auf der Welt. Andererseits setzen uns die Ökosysteme Grenzen, die wir nicht dauerhaft überschreiten dürfen. Dass wir das mittlerweile in beunruhigendem Ausmaß trotzdem tun, hat viel mit dem Ziel zu tun, möglichst viele „Arbeitsplätze“ zu schaffen oder zu retten. Und damit, dass Menschen so wenig Sinn in dem sehen, was sie den ganzen Tag tun (müssen), dass sie sich mit äußerst ressourcenintensiven Freizeitaktivitäten und maßlosem Überkonsum „entschädigen“ wollen. Außerdem baut unser gegenwärtiges System auf Ungleichheit auf und erschafft sie unentwegt, sodass ein bedeutender Teil der Menschen an Mangel leidet, während eine Minderheit unsägliche Verschwendung vorantreibt. Das hat viel mit der hegemonialen Einstellung zu tun, Natur und Menschen als simple Ressourcen zu
    betrachten, die durch grenzenlose Ausbeutung zu Waren verwandelt werden können, um Profite zu generieren.
    Materielle Sicherheit und Zeitsouveränität, also Wirkmacht über das eigene Leben, sind notwendig, damit wir als Gesellschaft aufhören, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.
    Wir brauchen ein verlässliches, nicht-stigmatisierendes System der sozialen Sicherung, das wirklich alle erreicht und die Menschen nicht in bürokratische Mühlen oder den sogenannten Arbeitsmarkt zwingt. Universalität und Bedingungslosigkeit sind der Schlüssel.
    Kernelement eines starken und zukunftsfähigen Sozialstaats ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für Alle. In Deutschland, Europa und weltweit.


    Eric Manneschmidt, BGE- und Care-Aktivist
    Elisabeth Dörre, BGE- und Care-Aktivistin
    Uschi Bauer, 2. Vorsitzende Mensch in Germany e.V
    Gisela Weissinger
    Ute Christmann, Freiberuflerin
    Arfst Wagner, Menschenrechtler

    1 https://www.verdi.de/stabilbleiben-sozialgestalten/20-millionen-stimmen-fordern-einen-gerechten-sozialstaat
    2 https://www.augsburger-allgemeine.de/geld-leben/finanzen/kritik-an-neuer-grundsicherung-krankgeschriebene-buergergeld-empfaenger-unter-generalverdacht-113981564
    3 https://www.zeit.de/online/2006/20/Schreiner/komplettansicht
    4 siehe z.B. hier: https://www.stern.de/gesellschaft/tragoedie-zu-hause-verhungert–einfach-so-3364916.html
    5 https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553243/zeitverwendung-fuer-bezahlte-und-unbezahlte-arbeit-gender-care-gap/
    6 Günther Moewes: Arbeit ruiniert die Welt
    https://www.nomen-verlag.de/produkt/arbeit-ruiniert-die-welt/
    7 https://www.zeit.de/arbeit/2026-04/produktivitaet-performative-arbeit-selbstdarstellung-aufruf8 https://wirtschaft-ist-care.org/
    9 Demokratisierung der Muße? : Das bedingungslose Grundeinkommen aus bildungstheoretischer Sicht (Manuel Franzmann, Uni Kiel)
    (zum Anschauen) https://www.youtube.com/watch?v=C1B3cfgQWGY
    (zum Lesen) https://macau.uni-kiel.de/receive/macau_mods_00000319
    10 Wolf Lotter: „Der deutsche Hamster (m/w/d)“
    https://taz.de/Diskussion-um-Leistungsbereitschaft/!vn6100759/
    11 Günther Moewes: Beschäftigungsstaat oder Vermeidungsgesellschaft? (Aus: Weder Hütten noch Paläste) – online:
    https://bge-rheinmain.org/beschaftigungsstaat-oder-vermeidungsgesellschaft
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Wer macht bei uns die Kinder- und Jugendarbeit?

Das Angebot an Feriencamps hat die Bundeswehr zwischen 2022 und 2025 auf 86 Camps beinahe verdreifacht. Für alle Interessensgruppen ist was dabei, ob bei den Gebirgsjägern, der Luftwaffe oder Marine oder spezielle Angebote für junge Frauen. Einige dieser Camps wurden mit enormen Summen von bis zu 125.000 Euro beworben. Die Bundesregierung sieht hier keinen Konflikt mit der UN-Kinderrechtskonvention. Die regelmäßige Ermahnung vom UN-Kinderrechteausschuss wird offensichtlich ignoriert.

(entnommen der Mitteilung von Kolja Fuchslocher, Die Linke 30.5.2026)

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das freut mich

Es gibt offenbar Leute, die nicht nur die Blogbeiträge lesen, sondern sich auch das Menü anschauen und z.B. den Menüpunkt „Sozialpolitik und Gesellschaftspolitik“ anklicken. Die Texte dort sind als wichtige Ergänzung zu den Sozialarbeitsthemen gedacht.

So fand ich z.B folgenden Blog-Eintrag bei sozialarbeit.de

Sozialarbeit in Zeiten der Kriegsbegeisterung
Von Christoph Kusche August 11, 2025

Meine geschätzte Kollegin Mechthild Seithe hat kämpferisch einen neuen Blog publiziert:
„In diesem Blog ist vor allem von Sozialer Arbeit die Rede und davon, was aus ihr gemacht wird in Zeiten, in denen der Neoliberalismus die Welt beherrscht.
Was das konkret politisch bedeutet und ganz sicher nicht nur die Soziale Arbeit, sondern die Sozialpolitik und schließlich das Leben und die Existenz der Menschheit betrifft, wird zum Beispiel im folgenden Artikel : Keinen Cent, keine Waffe, kein Leben für den Krieg“ von Gotthard Krupp (verd.i) deutlich.“

Danke für den Hinweis auf meinen Menüpunkt „Sozialpolitik und Gesellschaftspolitik“!

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Nr. 2: Bundesregierung lässt die Katze aus dem Sack

(unter diesem Titel werde ich in der nächsten Zeit Beiträge veröffentlichen, die sich mit den aktuellen Sparplänen der Regierung auseinandersetzen. )

„Es sind viele Dinge, die zusammengedacht werden müssen, um das hierin gezeichnete Bild der zukünftigen Jugendhilfe erkennen zu können:

– Zu dem Vorrang des sog. Sozialraums vor den HzE ist nahezu alles gesagt und geschrieben worden (§27a(4) Entwurf). Wenig beachtet wird in diesem Kontext, dass mit dem Sozialraumgebot und der Formulierung „gleichermaßen geeigneter“ Angebote eine Beweislastumkehr vorgenommen wird. Verweist ein Amt auf ein Angebot im Sozialraum müssen nun die Familien dem Amt nachweisen, dass diese Unterstützungsform nicht „gleichermaßen geeignet“ bzw. ausreichend ist gemäß ihrer Bedarfe. Wenn sie argumentativ nicht durchdringen, bleibt ihnen nur der Rechtsweg, über den dann lediglich mit deutlichem zeitlichen Abstand (diese Zeit haben Familien in akuten Krisensituationen nicht) festgestellt werden kann, ob der Verweis auf die „gleichermaßen geeignete“ zum Zeitpunkt der Bescheidung/Festlegung dem Angebote dem Bedarf der Familien entsprach oder nicht.

– Die Hilfeplanung in den Hilfen zur Erziehung (HzE) ist nur noch eine „soll“-Regelung („Mit Zustimmung oder auf Vorschlag des Leistungsberechtigten soll“), womit der für das Amt verpflichtende kooperative aufgekündigt wird. Das Amt kann folglich ohne Hilfeplanung und entsprechender Beteiligung der Familien agieren (§36b(1) Entwurf) und geeignete Hilfen (z.B. im Sozialraum) festlegen.

– Hilfen zur Erziehung soll es nur noch geben, „so lange“ das Kindeswohl gefährdet ist (§27(2) Entwurf). Stellt das Amt fest, dass das Kindeswohl nicht mehr gefährdet ist, endet die HzE. Es geht zukünftig also nicht mehr um bessere Bedingungen und Unterstützung der Familien sondern eine abstrakte in Kombination mit §8a eingriffsbasierten Gewährung des Kindeswohls.

Im Ergebnis wird Fachlichkeit inkl. der Belange von Hilfesuchenden zurückgestellt, das Leistungsrecht ausgehölt, der Zugang zu Unterstützungssystemen schwieriger und mit weiteren bürokratischen bzw. dokumentatorischen Hürden versehen.

Damit einher wird der bislang festgeschriebene kooperative Ansatz, der gesetzlich formulierte Anspruch einer Augenhöhe zwischen Adressat*innen und Amt und somit auch die fachlich fundierte Lebensweltorientierung der Jugendhilfe in Frage gestellt.

Ein gesetzlicher Rückzug der Hilfen zur Erziehung auf eine Reduktion auf die Ausübung des staatlichen Wächteramts ist die Folge. Das Jugendamt droht mit dieser Reform zu einer Kontrollinstanz der Familien zu verkommen, ein Amt, vor dem Familien Angst haben und Abstand suchen.


– Bei der Erbringung von Leistungen durch anerkannte Träger der Jugendhilfe wird ein Nachweis über die „Wirksamkeit“ erforderlich, um Leistungen abrechnen zu können (§78b(1)1 Entwurf). Unabhängig davon, wie Wirksamkeit in den Hze gemessen werden kann und in dem System Familie im Krisenmodus planbare Verläufe eher unüblich sind, erhöht diese Formulierung die Dokumentations- und Nachweispflichten auch auf Seiten der Träger bei gleichzeitig steigenden wirtschaftlichen Risiken.
– Im Gespräch scheint zu dem auch noch ein Vorrangebot für Pflegefamilien vor anderen stationären Angeboten (als Formulierungsvorschlag für §37 in der derzeit kursierenden Arbeitsversion) zu sein. Offensichtlich möchte man die konkurrierenden Angebote der (kostengünstigeren) Vollzeitpflege gegenüber (teureren) stationären Angebote der freien Träger stärken, was im Nebeneffekt das Wunsch- und Wahlrecht gesetzlich weiter einschränkt.

Hinter dem Vorhaben steckt folglich ein Angriff auf die bestehenden Strukturen und die Prämissen fachlicher Arbeit.

„Interessanterweise ist aktuell ein weiteres gesetzliches Vorhaben im Verfahren, welches mit den Vorhaben in der Jugendhilfe korrespondiert. Hier müssen wir in den kommenden Wochen auf Wechselwirkungen achten.
Seit kurzem liegt der Referentenentwurf eines Gesetzes zur Reform des Kindschaftsrechts auf dem Tisch. Dieses enthält unter anderem erstmalig eine Definition bezüglich des bislang (bewusst) unbestimmten Rechtsbegriffes Kindeswohl (§1626 BGB Entwurf). Der Hacken an der Sache ist: Die Definition des Kindeswohl wird mit weitaus mehr unbestimmten Rechtsbegriffen in elf unterschiedlichen Unterpunkten vorgenommen. Dazu zählen u.a. „angemessene Pflege und Versorgung insbesondere mit Nahrung, Kleidung, gesundheitlicher Betreuung und Wohnraum,“, „angemessene Beaufsichtigung sowie Erziehung“, „Bildung sowie Förderung seiner Anlagen, Fähigkeiten, Neigungen und Entwicklungsmöglichkeiten“, „Stabilität und Kontinuität der Lebensverhältnisse“, „Freizeit und Erholung“ und einiges mehr. All diese Begriffe sind problematisch, will sie allesamt unbestimmte Rechtsbegriffe sind und vom jeweiligen Wertekontext und von der Sozialen Lage der Eltern abhängig sind. Sie haben damit klassistische Elemente, bergen die Gefahr von kulturellen und rassistischen Diskriminierungsmustern und sind fachlich abzulehnen. Gleichzeitig wären diese unbestimmten Begriffe durch Richterrecht in den kommenden Jahrzehnten zu definieren und gewichten.

Der Entwurf findet sich hier: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetzgebung/RefE/RefE_KiMoG.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Veröffentlicht unter Allgemeiner Sozialdienst und öffentliche Jugendhilfe, Deprofessionalisierung und Standardisierung der Sozialen Arbeit, Kinder- und Jugendhilfe in Gefahr, Prekarisierung der MitarbeiterInnen im Sozialwesen, Soziale Arbeit und Ökonomisierung, Sparpolitik | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Fundsache: ungewöhnlich deutlicher und kritischer Artikel

Artikel, die nicht dem üblichen Mainstream der schweigenden Akzeptanz der von den Herrschenden oktruierten Kriegsbegeisterung folgen und die unsägliche Geldverschwendung für die Aufrüstung und für die Unterstützung nicht enden wollenden (sollender) zerstörerischer Kriege als notgedrungen und unvermeidbar hinnehmenen, sind in unseren üblichen Medien zur Zeit so selten wie Gold im Flusssand.

Dieser hier von Marcel Luthe findet sich findet sich oben im Menüpunkt „Sozialpolitik und Gesellschaftspolitik“
Wir leben jetzt in einem Tolstoi-Roman: Der Krieg kommt im Schlaf

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Spannende Fragen meiner LeserInnen

Für meine nächsten Vorträge haben mir die EinladerInnen Fragen und Themen geschickt, die sie gerne mit mir und untereinander diskutieren möchten.

Ich finde diese Punkte so relevant und spannend, dass ich sie hier für alle meine LeserInen veröffentliche.

  • Welche institutionellen Regeln oder Anforderungen beeinflussen meine Arbeit am stärksten?
    Welche Aufgaben erleben ich als fachlich sinnvoll — welche eher als Verwaltung oder Kontrolle?

  • Gibt es Situationen, in denen ich gegen meine professionelle Haltung handeln muss?

  • Wie gehe ich mit Widersprüchen zwischen eigenem Anspruch und institutionellen Anforderungen um?

  • Wo sind wir Unterstützung, wo Kontrollinstanz?

  • Welchen Einfluss haben die Finanzierungen auf unsere Arbeit?

  •  Ist es möglich, unter aktuellen Bedingungen die Arbeitsethik aufrecht zu erhalten?

  • Wie können wir uns politisch einmischen, um auf die gesellschaftlichen Ursachen von Sucht und Ausgrenzung hinzuweisen, statt nur die Symptome innerhalb eines mangelhaften Systems zu verwalten?
  • Wohin führt perspektivisch der Weg der Suchthilfe, wenn die Bestimmung der Effizienz als Leitgrad des Erfolges zählt? 
  • Was können wir konkret tun, vor Ort am Klienten oder im nächsten Gremium oder Ausschuss, um unsere Ziele und Werte der Suchthilfe authentisch gegen die stetig vorangeschrittene Effizienzlogik der Marktwirtschaft in den Kommunen und Städten zu verteidigen?
  • Was bedeutet es für unseren Professionalisierungsdiskurs, wenn die  Beziehungsarbeit mit den Menschen zunehmend als etwas negatives bewertet  wird?
  • Warum ist die Verschlechterung der Bedingungen unserer Arbeit so selten Teil der öffentlichen und auch der disziplineigenen theoretischen Debatte?
  • Welche konkreten Handlungsebenen gibt es, auf denen sich die Sozialarbeiter*innen politisch beteiligen können, um nicht tatenlos hinnehmen zu müssen, wie der Alltag der Klient*innen und der Arbeitsalltag der Sozialarbeiter*innen immer schwieriger wird?
Veröffentlicht unter Anmerkungen zu meinem neuen Buch, Lage der Sozialen Arbeit, Soziale Arbeit und Ökonomisierung, Soziale Lage unserer Klientel, Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit | Kommentar hinterlassen

Kämpft die Soziale Arbeit gegen Windmühlenflügel?

Auf die Frage, was sie in ihrer Berufssituation am meiste belaste, antwortete mir eine Kollegin: „Mich belastet die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Arbeit: Auch wenn Menschen durch den Besuch meiner Beratungsstelle kurzzeitig Entlastung erfahren, bleibt das System um sie herum, wie es ist. Steigende Kosten, mangelnde bezahlbare Wohnungen, unvergütete Care-Arbeit und, und und … Solange es keine strukturellen Veränderungen gibt, scheint die Beratung oft wie ein Eimer Wasser als Lösung für einen für einen Großbrand.“

Eine andere schreibt mir:
„Die Klientel können von mir nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen, weil die Hürden für diese Menschen immer höher werden, statt dass man sie abbaut – und das kann ich mit meiner Arbeit nicht auffangen. Eine Verbesserung der Lebensbedingungen meiner Klientel ist in meinem beruflichen Auftrag formuliert. Aber ich glaube, aufgrund der strukturellen Hürden nicht, dass meine Arbeit diese Aufgabe erfüllen kann.“

Die ständige Erfahrung, dass Familienarmut, Wohnungsnot, die menschenunfreundlichen Strukturen, die menschenfeindliche Politik immer bestehen bleiben, und eher schlimmer werden, obwohl wir uns anstrengen und für diese Menschen einsetzen, diese Erfahrung lässt so manche SozialarbeiterIn daran zweifeln, dass ihre Arbeit wirklich Sinn macht.

Ich kann das sehr gut verstehen.

Hier ein Beispiel aus der Gewaltprävention und zum Umgang mit gewalttägigen Kindern:

Vor wenigen Tagen sah ich eine Reportage über eine sozialarbeiterische Einrichtung, die mit Kindern arbeitet, die bereits Täter von Gewalttaten geworden sind. Bewundernswert und ehrenhaft die Haltung der KollegInnen: die in den Kindern nicht in erster Linie die Täter sahen, sondern unfertige, noch entwicklungsfähige und in ihrer Entwicklung unterstützungsbedürftige Wesen. Pädagogisch gut überlegt die Handlungsleitlinien und Strukturen der Einrichtung. Tolles Projekt, könnte man sagen.

Der Bericht des Deutschen Jugendinstitutes (27.5.25) stellte fest: „Der Großteil wiederholter und schwerwiegender Straftaten wird durch eine kleine Personengruppe verübt, die sich der kriminologischen Forschung zufolge in der Regel in komplexen Problemlagen befindet – dazu zählen unter anderem Gewalterfahrungen in der Familie, Schulprobleme, Alkohol- und Drogenmissbrauch, soziale Randständigkeit sowie deviante oder delinquente Freundeskreise, wie beispielsweise Peers, die Drogen konsumieren oder ebenfalls mit Delikten auffällig geworden sind.“

Die Ursachen werden im konkreten persönlichen Erfahrungsfeld der Kinder gesucht.  

Aber es wird auch hier kein Wort darüber verloren, wie es dazu kommen kann, dass zunehmend Kinder TäterInnen werden können in unserer Gesellschaft. Und es wurde nicht danach gefragt, welche Bedingungen und Prozesse diese Entwicklung fördern oder gar provozieren: die allgegenwärtige Gewalt in den täglichen Kriegsnachrichten, in den Medien, in den sozialen Netzwerken, in Filmen, in Computerspielen aber ebenso die zunehmend unsolidarische, egozentrische und ausgrenzende Haltung zwischen den Menschen, und die hautnah erlebbaren Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft und zwischen Ländern untereinander …..

Aber das liegt zweifellos außerhalb der Einflusssphäre der Sozialen Arbeit. Das ist vielmehr Politik.

Der eigentliche Widerspruch der Sozialen Arbeit

Und tatsächlich existiert Soziale Arbeit seit ihrem Bestehen unter der doppelten und widersprüchlichen Maßgabe, gegen das ankämpfen zu sollen, was die verantwortliche, herrschende Politik, die ihnen diesen Auftrag gegeben hat, dennoch nicht etwa abschaffen und beseitigen will, sondern weiter und weiter reproduziert und in ihrem eigenen Interesse für unverzichtbar hält. Das ist der eigentliche Widerspruch, der unseren Beruf ausmacht (vgl. Seithe 2025, S. 40f; vgl. auch Scherr 2012, S. 110; vgl. Hammerschmidt et al. 2017, S. 14f).

Und er fordert von den Mitgliedern dieses Berufes immer und immer wieder eine Stellungnahme, eine Entscheidung:

Und nun?

Entweder man hält das für normal und moralisch gerechtfertigt und versteht sich als die Kraft, die den „sozialen Frieden“ sichern hilft, indem sie die Benachteiligten dieser Gesellschaft tröstet, ruhigstellt und dazu bringt, dennoch nicht aufzubegehren.

Oder man spürt tagtäglich, dass es nicht in Ordnung ist, dass unsere Gesellschaft diese benachteiligenden Lebensbedingungen für einen Teil der Bevölkerung nicht nur duldet, sondern bewusst reproduziert.

Aber wenn man genau das spürt, und wenn einen das belastet – was kann man, was kann Soziale Arbeit dann tun?

Ich denke, Soziale Arbeit ist nicht eine von den Kräften, die die Gesellschaft revolutionieren könnten. Aber dennoch kann sie ihre Klientel darüber aufklären, dass es nicht in Ordnung ist, wie mit ihnen umgegangen wird, sie kann versuchen, trotz allem mit den Menschen, die ihre Hilfe brauchen, menschlicher und gerechter umzugehen, als es die Gesellschaft ihnen gegenüber ansonsten tut.

Und sie kann sehr wohl auf genau diese Widersprüche hinweisen und dazu beitragen, dass in unserer Gesellschaft ein politisches Bewusstsein entsteht, das die Absichten, die Hinterhältigkeit und die menschliche Ignoranz der neoliberalen Politik durchschaut und infrage stellt.

Literaturhinweise:

Hammerschmidt, P. /Sagebiel, J./Yollu-Toc, A. (2017): Einführung: Die Soziale Arbeit im Spannungsfeld der Ökonomie. In: Hammerschmidt, P. /Sagebiel, J./Yollu-Toc, A. (Hrsg.) (2017): Die Soziale Arbeit im Spannungsfeld der Ökonomie. Ulm: AG SPAK. S. 9 ff.
 Scherr, A. (2012): Reflexive Kritik. Über Gewissheiten und Schwierigkeiten kritischer Theorie, auch in der Sozialen Arbeit. In: Anhorn, R./Bettinger, F./Horlacher, C./Rathgeb, K. (Hrsg.): Kritik der Sozialen Arbeit – kritische Soziale Arbeit. Wiesbaden: Springer VS Verlag. S. 107ff.
Seithe, M. (2025: Soziale Arbeit und Neoliberalismus heute – schwarz auf weiß“ Spinger Verlag

https://www.dji.de/veroeffentlichungen/aktuelles/news/article/1591-gewaltkriminalitaet-mehr-junge-tatverdaechtige.html

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Bundesregierung lässt die Katze aus dem Sack Nr. 1

(unter diesem Titel werde ich in der nächsten Zeit Beiträge veröffentlichen, die sich mit den aktuellen Sparplänen der Regierung auseinandersetzen. )

Viele KollegInnen und BürgerInnen halten die „knappen Kassen“ im Sozialbereich für eine unvermeidbare Erscheinung unserer Zeit. Sie fordern mehr Geld. Aber sonst ist alles in Ordnung?

In meinem jüngsten Buch habe ich versucht, deutlich zu machen, dass hinter den Sparmaßnahmen und Kürzungen, unter denen der Sozialbereich und nicht zuletzt die Soziale Arbeit immer mehr zu leiden haben, weitaus mehr steckt, als nur Geldmangel: Dahinter steckt eine glaskare Ideologie.

Das wird mit einem Mal super deutlich in einem Vorschlagspapier mit dem Titel „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen das eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung der Bundesländer Bayern, Sachsen, NRW Brandenburg, Rheinlandpfalz, Niedersachsen, BMBFSFJ, BMAS sowie den drei kommunalen Spitzenverbänden erstellt hat (25.03.2026) , und das der Paritätische geleakt und der staunenden Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt hat.

Kollege Fuchslocher von „die Linke“ informiert:
Das geleakte „Vorschlagbuch“ bringt Licht ins Dunkel.“ Es enthält „auf über 100 Seiten Vorschläge …, um die Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe im Sinne kommunaler Kassenlage aber auch der Länderhaushalte günstiger zu machen. Dazu sollen in bis Dato unbekanntem Maße Rechtsansprüche und Standards abgebaut werden. Medial besonders hervorgehoben wurden die Rücknahme des Unterhaltsvorschuss sowie die Streichung von Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe in Kita und Schule. Die Detaillierten Vorschläge kommen hier vor allem aus den CDU/CSU geführten Bundesländern (Bayern, Sachsen und NRW) sowie den Kommunalen Spitzenverbänden, viele davon inhaltlich Deckungsgleich. Union und Kommunale Spitzenverbände ziehen offensichtlich an einem Strang, während die beteiligten SPD geführte Bundesländer (Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen) sich zurückhaltender, weniger detailliert auf lediglich fünf Seiten aber nicht absolut widersprechend äußern. Dies ist für weitere Gesetzgebungsverfahren und ggf. notwendige Mehrheiten im Bundesrat von Relevanz. Der Einordnung und den Erläuterungen von Seiten des Paritätischen möchte ich ansonsten nicht Vorweggreifen. Für diesen Leak kann man nur Danken! Das Papier findet ihr hier: https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/doc/paritaetischer_drohender-kahlschlag-2026.pdf „.
Fuchslocher kommentiert: Wir erleben offensichtlich den konzentriertesten Angriff auf den Sozialstaat und die erkämpften Errungenschaften seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland.“

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Kann sich das humanistische, professionelle Konzept der Sozialen Arbeit gegen die neoliberale Transformation behaupten?

Mal eine Frage, die ich mir selbst gestellt habe.

Im ersten Teil dieses Postings habe ich versucht, deutlich zu machen, dass das professionelle, gegenwärtige, aber nur noch als Ideal und als unerfüllbar Utopie in den Köpfen der SozialarbeiterInnen existierende Konzept – trotz seiner Mängel, auf die ich in diesem Posting eingehen werde – keine neoliberale Variante ist, sondern in wichtigen Aspekten dieser Ideologie entgegensteht.  Deshalb halte ich es für notwendig und sinnvoll, das professionelle Konzept offensiv zu vertreten und zu unterstützen.

Dennoch ist dieses professionelle Konzept ein idealistisches Konzept, das heißt: Es beschreibt eine Wunschwelt, in der alle Menschen bereit sind, solidarisch miteinander umzugehen und auf Gerechtigkeit zu achten. Es nennt Ziele und Haltungen und scheint aber zu glauben, dass eine gerechtere Welt allein durch den Willen ethisch und humanistisch eingestellter Menschen erreicht und umgesetzt werden kann. Es ist kein Wunder, dass dieses Konzept, sei es das Konzept der Menschenrechtsprofession, sei es das Konzept der Lebensweltorientierung, sehr schnell als eine Art Utopie erlebt und behandelt wird und angesichts der ganz anders gearteten Praxis zu einem uneinlösbaren Ideal verkommt, das für die konkreten Aufgaben in der Praxis keine klaren und widerstandsfähigen Handlungsorientierungen gibt.

Die politischen und wirtschaftlichen Ursachen der Problemlagen der Menschen, der derzeitig stattfindende Niedergang einer humanistischen Gesellschaft, wie wir ihn gerade so drastisch erleben und ebenso die erforderlichen Bedingungen, die gebraucht werden, um konkret in der Praxis entsprechendes Handeln anleiten zu können, werden nicht diskutiert und weitgehend ausgeklammert. Damit bleibt dieses Konzept eben immer nur ein abstraktes Wunschbild, der Traum von einer anderen Welt voller gutmeinender Menschen.

Und weil das so ist, wird es nicht reichen, das gegenwärtige professionelle Konzept zu beschwören und zu verteidigen. Es müsste – wie ich es in meinem Buch ausgedrückt habe – neu kalibriert werden, es müsste seine Werte und Absichten aus dem Bereich Hoffen und Wünschen herausholen und die faktischen politischen und ökonomischen Bedingungen aufzeigen, unter denen diese andere gerechtere Welt sich entwickeln kann und soll.

Aus diesem Grund gibt es einige zentrale Kritikpunkte am bestehenden Konzept, de es gälte zu überdenken und neu zu kalibrieren:

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aktuell wie vor 12 Jahren- mal was anderes, eben gefunden

Dieser Vortrag wurde auf der 2. Arbeitstagung des Unabhängigen Forums kritische Soziale Arbeit (UFO) gehalten. Bei der Tagung ging es um Widerstand in der Sozialen Arbeit und damals war die Stimmung eine etwas andere als heute: Es gab viele KollegInnen, die sich Gedanken machten, wie sie die Entwcklungen aufhalten bzw. bekämpfen könnten, die sich in der Sozialen Arbeit seit etwas 10 Jahren breit gemacht hatten. Das UFU hat in dieser Zeit zwei sehr gut besuchte Arbeitstagungen in Berlin organisiert. Ein weiterer Höhepunkt war die -wie wir sie nannten – „Vollversammlung aller SozialerarbeirInnen Berlins“ auf dem Alex am 20. Oktober 2012, zu der gut 1000 KollegInnen kamen.

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