Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Projekte.
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| « Jan | ||||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | ||
| 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
| 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |
| 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 |
| 27 | 28 | 29 | ||||
1.10.2011 von m.s..
Der Tagungsfilm der Tagung AUFSTEHEN WIDERSPRECHEN EINMISCHEN vom Juni diesen Jahres ist fertiggestellt
Vorspann:
Es wird Zeit, dass Soziale Arbeit anfängt, sich gegen die ihr seit Jahren zugefügte Vermarktlichung, gegen ihre fortschreitende Deprofessionalisierung sowie gegen die menschenverachtenden, sozialpolitischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft zur Wehr zu setzen.
Deshalb haben wir diese kritische Tagung ins Leben gerufen.
150 SozialarbeiterInnen aus allen Ecken Deutschlands kamen am 17.6.2011 nach Berlin, weil sie nicht länger zusehen und schweigen wollen …
Ihr könnt ihn euch ansehen unter www.einmischen.com , Tagungsrückblick/Film
oder direkt zum Film
Geschrieben in Was tun?, kritischer Blick, Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
1.8.2011 von m.s..
Am vergangenen Donnerstag haben sich 16 Leute zum ersten AKS Treffen in Berlin eingefunden. Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen waren in Bachelor- oder Masterstudiengängen involviert, die anderen kamen aus der Praxis. Zwei Hochschullehrerinnen waren auch da.
Schön war, dass die Gruppe sich alle Zeit der Welt genommen hat, um in der Runde die verschiedenen Sichtweisen und Kritikpukte der Einzelnen anzuhören und dann auch darüber zu sprechen. Die Atmosphäre war angenehm und locker. Niemand hat versucht, sich in den Vordergrund zu spielen.(Die beiden Hochschullehrerinnen haben sich zumindest darum bemüht).
Die Gruppe hat sich darauf geeinigt, sich in Zukunft ein mal im Monat zu treffen und zwar in der Regel am letzten Montag im M0nat.
Die nächsten Termine sind:
01.9.2011 um 19.30 Uhr Kinzigstr. 9 (ausnahmsweise an einem Donnerstag)
26.9.2011 um 19.30 Uhr Kinzigstr. 9
Eine interessante Erfahrung und ein vielversprechender Start!
Die Studierenden, so fiel mir auf, waren durch die Bank unzufrieden mit den unkritischen Lehrinhalten und der oberflächlichen und neoliberal angepassten Konzeption der Sozialen Arbeit. Sie möchten sich gerne mit Fragen auseinandersetzen wie: Was ist eigentlich Soziale Arbeit, wie kann bzw. könnte sie aussehen unter anderen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Bedingungen? Die anwesenden PraktikerInnen schlagen sich Tag aus Tag ein mit den Ärgernissen vor Ort herum: mit den prekären Arbeitsverhältnissen, unter denen sie selber leiden, mit den zu knappen Zeitkontingenten, den vorgeschriebenen methodischen Zugängen, die es kaum ermöglichen, KlientInnen wie Menschen zu behandeln und ihnen respektvoll zu begegnen usf. Sie wollten versuchen, solche Bedingungen zu bennen, dagegen Schritte zu ergreifen, die Öffentlichkeit zu informieren, sich mit der Politik und der Verwaltung darüber argumentativ auseinander zu setzen.
Auf den ersten Blick sah es aus, als gäbe es zwei verschiedene Interessenschwerpunkte, die man nicht unter einen Hut bekommen würde. In der Diskussion wurde bald klar, dass die praktischen Probleme nicht wirklich angegengen werden können, wenn die politische, theoretische und fachlich-wissenschaftliche Basis nicht wirklich geklärt wurde. Und umgekehrt macht das Herunterbrechen der theoretischen Überlegungen auf ganz konkrete Probleme und Situationen aus der Praxis diese Überlegungen erst nützlich und sinnvoll.
Die Gruppe will jetzt beides machen: sie will theoretische Fragen diskutieren und gleichzeitg immer auch gemeinsame Strategien für konkrete Probleme der Praxis erarbeiten und in die Tat umsetzen. Der Versuch, sich weiter und umfassend zu vernetzen, mit KollegInnen zu diskutieren und bei den eher Unpolitischen und Angepassten Aufklärung zu betreiben, sowie der Versuch, mit Öffentlichkeitsarbeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, sind weitere Arbeitsaufgaben, die die Gruppe sich gesetzt hat.
Die Gruppenmitglieder waren durchweg an einer kritischen Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Sozialen Arbeit interessiert und suchten für sich dringend Gleichgesinnte und einen Ort, wo sie über diese Fragen offen und angeregt reden können.
Man kann gespannt sein, wie es weiter geht.
Geschrieben in Diskussion, Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
25.6.2011 von m.s..
Sozialpoltische Tagung zur Lage der Sozialen Arbeit
AUFSTEHEN – WIDERSPRECHEN –EINMISCHEN
17./18. Juni 2011 Berlin
Mit stürmischem Applaus für die auf der Tagung erarbeitete gemeinsame Resolution endete nach 2 Tagen eine Ergebnis reiche und Mut machende Tagung.
150 KollegInnen (davon 2/3 aus der Praxis, ca. 20 HochschullehrerInnen, ¼ Studierende, 1/3 aus allen Teilen Deutschlands und 2/3 aus Berlin) haben zwei Tage lang über die aktuellen und brennenden Fragen unserer Profession diskutiert.
Neben den Versuchen, zu begreifen, was da eigentlich in unserer Profession geschieht, wem es dient, und wen es gefährdet, ging es den TeilnehmerInnen vor allem darum, wie es gelingen kann, sich gegen die Entwicklungen der Deprofessionalisierung, der Entpolitisierung und der Vermarktlichung unserer Profession und gegen die Vereinnahmung durch neoliberale und neokonservative Konzept zur Wehr zu setzen.
Die 8 Workshops befassten sich mit Themen wie z.B. Klientendiskriminierung, Ökonomisierung, Gemeinsam sind wir stakr, Prekarisierung der Sozialen Arbeit, fachliche Kernelemente u.a. mehr. Ein Theaterworkshop machte uns mit der Methode des Forumtheaters vertraut (Theater der Unterdrückten). Unvergesslich die kleine Aufführung der Gruppe am ersten Abend mit „Maschine Soziale Arbeit“)
Die WorkshopleiterInnen kamen aus allen Bundesländern und waren erfahrene PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen..
Daneben wurden mehrere Vorträge gehalten, die als Hintergrund der Tagungsarbeit sehr hilfreich waren.
Prof. Dr. Seithe sprach zum Thema: Die problematische Geduld unserer Profession angesichts der aktuellen Lage er Sozialen Arbeit.
Prof. Dr. Thiersch befasste sich mit der Autonomie der Fachlichkeit der Sozialen Arbeit. Der Vortrag war ein Fest für alle, die ihre Profession in ihren Kernelementen und ihren ethischen und politischen Zusammenhängen wieder einmal neu begreifen wollten. (Wir werden versuchen, im Laufe des Sommers den Vortrag von Prof. Thiersch in mehreren Teilen in Youtube zu setzen).
Prof. Rosemarie Karges legte die aktuellen Ergebnisse ihrer jüngsten Online-Befragung zur Arbeitssituation von Sozialarbeitenden und zu deren Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen vor.
Zum Thema „Keine Kraft zum Wehren“ stellte Frau Dr. Conen praktische und hilfereiche Beispiele für widerständiges Verhalten in der Praxis vor.
Die Atmosphäre auf der Tagung war sehr schön, ausgesprochen angenehm, befreiend und solidarisch. Man konnte ahnen, was es bedeuten und heißen würde, wenn es uns gelänge, als solidarische Gemeinschaft aufzutreten und gemeinsam berufspolitische uns sozialpolitische Positionen zurückzuerobern und zu erkämpfen.
Es entstand eine Fülle von Ideen und Projekten. Vernetzungen wurden angebahnt, Strategien wurden diskutiert. Hierfür war viel Zeit vorgesehen. Dennoch hat die Zeit nicht gereicht.
Wir hoffen, dass die Impulse, die Anregungen und der Mut, den viele auf der Tagung schöpfen konnten, nicht einfach verrauchen werden. Wir gehen davon aus, dass hier und an vielen Orten Ernst gemacht werden wird mit „aufstehen –widersprechen – einmischen“.
Wir sind sicher, dass die TeilnehmerInnen diese Erlebnisse und Erfahrungen in ihrem Umfeld, in ihren Teams und in ihren Organisationen umsetzen und weiterführen werden.
Die nächste Tagung dieser Art darf nicht erst in 5 Jahren kommen. Alle TeilnehmerInnen sind aufgerufen, den Faden aufzugreifen und weiter zumachen.
Wer mehr über die Tagung und die daraus entstehenden Projekte, Vernetzungen und Initiativen wissen will, kann sich schon jetzt und in den kommenden Wochen (wenn Schritt für Schritt die Tagungsergebnisse eingestellt werden) über unseren Blog
http://sozialearbeit.einmischen.info oder auf unserer Homepage: www.einmischen.com
informieren.
Derzeit sind schon hunderte Fotos von der Tagung zu besichtigen. Demnächst können wir unseren kleinen „Mutmacherfilm“ vorstellen, eine kurze Dokumentation der Tagung, die gleichzeitig versucht, für andere die Problematik rüberzubringen und Ideen und Lösungen vorzustellen – aber auch anzuregen.
Geschrieben in Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
24.12.2010 von m.s..
Ich nutze die Sitte, zu Weihnachten alle zu grüßen, die einem am Herzen liegen, um den LeserInnen dieses Blogs zu danken und gleichzeitig anzuregen, dass Sie sich auch mal selber per Kommentar einzubringen und z.B. von den alltäglichen Skandalen in unserer Arbeit, vor allem aber auch von gelungenen Versuchen, sich zu wehren, berichten und Einlass in unser “Spinnennetz” einzufordern.
Denjenigen, die mir wegen meines Schwarzbuches begeistert und kritisch geschrieben haben, gilt mein besonderer Dank. Ich freue mich über die Maßen darüber, dass dieses Buch offenbar etwas geschafft hat, was ich mir so gewünscht habe:
“Es ist so vieles darin gebündelt und in Worte gefasst, was mir in den vergangenen ca. 5 Jahren begegnet ist und mir zunehmend ein ungutes bis beängstigendes Gefühl gemacht hat,” so schrieb z.B. gestern ein Leser.
Ein gutes neues Jahr wünsche ich allen, die bereit sind, nicht mehr wegzuhören und sich etwas vorzumachen.
Deshalb schon heute eine Vorankündigung in eigener Sache:
Ich plane mit einer Sozialarbeiterin aus Berlin zusammen für den 17. und 18. Juni 2011 eine Tagung: “aufstehen, widersetzen, einmischen” - gemeinsame Wege aus der neosozialen Falle” in Berlin
Die Tagung soll vor allem den TeilnehmerInnen Gelegenheit geben zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion gemeinsamer Wege nach vorne.
Mehr Informationen kommen.
Geschrieben in Was tun?, Projekte, mein Schwarzbuch | Keine Kommentare »
25.10.2010 von m.s..
In diesem Wintersemester habe ich ein Seminar zum Thema “Soziale Arbeit zwischen Professionalität und Ohnmacht” angeboten. Die Studierenden kommen haufenweise. Hier liegt ganz offenbar ein großes Problem.

Zur Einstiegsdiskussion habe ich ihnen eine Liste mit 7 Fragen vorgelegt. Die Gruppe sollte abstimmen, in welcher Reihenfolge sie diese Fragen diskutieren möchte.
Folgende Fragen standen zur Debatte:
Und was wollten die StudentInnen diskutieren:
Die Frage nach dem, was in der Praxis wirklich los ist und ob Fachlichkeit heute gewünscht wird, stieß nur bei Wenigen auf Interesse.
Noch weniger schien der großen Mehrheit die Frage diskussionswürdig, wie man sich in einer solchen Situation wehren kann oder sich gar zusammentun könnte, um sich zu wehren.
Eine erschreckende Bilanz?
Ich weiß nicht, vielleicht muss man erst mal an dem fehlenden Selbstbewußtsein und dem Professionsverständnis arbeiten, damit die Zumutungen der Praxis überhaupt als solche erlebt werden können?
Geduld ist angezeigt.
Geschrieben in kritischer Blick, Diskussion, Projekte | Keine Kommentare »
27.5.2010 von m.s..
Diese Frage wurde auf unserer Veranstaltung am 5.5. immer wieder gestellt.
Für mich - und ich denke auch für die anwesenden Gewerkschaftsvertreter (Kollege König von ver.di und Kollegen Schmidt und Helwig von der GEW) sowie für den Vertreter des DBSH, Herrn König - wurde klar, dass es für die heutige Generation der Studierenden im Osten Deutschlands ganz und gar nicht selbstverständlich ist, von diesen Organisationen etwas Hilfreiches und Unterstützendes zu erwarten. Es fehlt nicht nur Wissen über die Existenz und Funktion dieser Verbände, sondern auch so etwas wie ein “Urvertrauen” darein, dass eine politische Interessenvertretung durch Organisationen wie Gewerkschaften und Berufsverbände einen Sinn machen könnte. Es gibt hier offenbar keinen Bekanntheitsbonus und keine Vorstellung von der Notwendigkeit berufspolitischer Organisation. “Ich trete grundsätzlich nicht so schnell in Vereine ein, warum sollte ich das hier tun?”, fragte eine Studentin.
Es gilt für Gewerkschaften und Berufsverband deshalb also, ganz von vorne anzufangen, sich bekannt zu machen, die eigene Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz sowie den Nutzen für die Sozialarbeitenden nachzuweisen. Hiermit sollte man an den Hochschulen anfangen. Aber erst dann kann erwartet werden, dass KollegInnen und evtl. auch schon Studierende eine entsprechende Organisation für sich in Betracht ziehen.
Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, für die Studierenden und die PraktikerInnen die Notwendigkeit des Sich zur Wehrsetzens zu vermitteln, den Zugang zum “Gemeinsam-sind-wir- stark” erlebbar zu machen und die gegebenen Verhältnisse in der Gesellschaft und konkret in der Sozialen Arbeit als politisch gemacht zu enttarnen und damit als prinzipiell politisch veränderbar zu identifizieren. Hierzu können die Verbände beitragen aber z.B. auch die Hochschulen, die solche Fragen schon in den ersten Semestern aufgreifen sollten.
Vor allem aber müsste sich eine Art “Graswurzelbewegung” kritischer Studiernder und PraktikerInnen entwickeln. Das kann den Betroffenen keiner abnehmen, weder die Verbände noch die Hochschulen, sie können nur Anregungen geben und entsprechende Initiativen unterstützen.
Es ist entscheidend, dass Studierende und vor allem PraktikerInnen anfangen, sich auszutauschen, und zwar über ihre Träger, ihre Einrichtungen und über Arbeitsfelder hinweg. Die Loyalität zum Träger, der selber finanziell in der Klemme steckt, die Eingebundenheit in die Unternehmen, in die sich all die ehemalig gemeinnützigen Einrichtungen verwandeln mussten und die Vorstellung, dass Sozial Arbeitende in unterschiedlichen Praxisfeldern kaum gemeinsame Interessen haben, all das verhindert zur Zeit das Wachsen eines selbstbewußten, kritischen und offensiven Bewußtseins in der Sozialen Arbeit.
Für solche kritischen Arbeitsgruppen einer Stadt oder eines Landkreises könnten dann wieder die Verbände Rückhalt und Unterstützung bieten. Aber das ist m. E. erst der zweite Schritt. Am Anfang steht m. E. die Einsicht, dass es einen Sinn macht, sich unter kritischen SozialarbeiterInnen zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen, zu informieren, auszutauschen und gemeinsame Strategien und Taktiken zur Durchsetzung ihrer Interessen und zur Durchsetzung von mehr Professionalistät und Fachlichkeit zu entwickeln.
Geschrieben in kritischer Blick, Diskussion, Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
1.2.2010 von m.s..
Immer wieder sind wir in den letzten Semestern darauf gestoßen, dass unsere Studierenden so gut wie nichts wissen über eine für sie mögliche politische oder auch nur berufsständige Interessenvertretung als zukünftige Sozialarbeitende. In der Zukunftswerkstatt im letzten Jahr wurde das diskutiert und es entstand die Idee, eine Veranstaltung zu organisieren, zu der VertreterInnen der Gewerkschaften und des DBSH eingeladen würden.
Über meine Kontaktaufnahme mit VertreterInnen dieser Oraganisationen habe ich hier schon berichtet. Von den Gewerkschaften hat nach wie vor niemand reagiert. Der zuständige Vertreter des DBSH hat seine Bereitschaft erklärt. Auf dem Bundeskongress wurden die nachfragenden Studenten beim DBSH Stand und bei den Gewerkschaften mit Informationsschriften und Werbetassen beglückt. Zu einer Veranstaltung ist es noch immer nicht gekommen.
Ich halte es zwar für unsere Aufgabe als HochschulehrerInnen, solche Informationen zu vermitteln solche Themen anzusprechen. Ich habe das jetzt z.B. bei Erstsemestern versucht und hatte den Eindruck, sie hielten mein Anliegen für merkwürdig wenn nicht sittenwidrig. Interessenvertretung und politische Organisation scheint für die Soziale Arbeit in der Praxis wie in der Ausbildung heute ein Fremdwort.
Wir könnten diese Veranstaltung als offizielle Hochschulveranstaltung sicherlich hinkriegen. Ich müsste nur, statt schlicht zu mailen, die Anschreiben mit Briefkopf und der Unterschrift der Dekanin versehen und damit hochoffiziell an die VertreterInnen schreiben. Dann kämen sie vermutlich ohne Weiteres. Aber letztlich ist dies eine Angelegenheit der Studierenden selber. Aber mir scheint es sinnvoller, wenn die GewerkschaftsvertreterInnen und der Berufsverband von Anfang an merken, dass hier Studierende, zukünftige Sozialarbeitende Anliegen haben, Fragen und Diskussionsbedarf und dass sie mit ihnen ins Gespräch kommen wollen. Deshalb scheint es mir viel besser, wenn sie auch von Studierenden angesprochen und eingeladen, befragt und in Anspruch genommen werden.
Ich hatte an ca. 100 Studierende eine Einladung für ein erstes Treffen zur Vorbereitung geschickt. 6 kamen. Immerhin. Und wir haben beschlossen, das Ding gemeinsam in die Hand zu nehmen. Leicht wird das nicht. Es ist schon ein große Leistung, mit 7 Leuten einen gemeinsamen Termin für ein nächstes Treffen hinzukriegen .
Inzwischen sind es noch 4 Studierende. Aber unsere Planung ist jetzt schon ziemlich konkret. Ver.di und der DBSH haben inzwischen ihre Teilnahme zugesagt…
Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss eben der Prophet zum Berg gehen…..
Geschrieben in Projekte, Infos und Fragen, Zukunfstwerkstatt Jena | 1 Kommentar »
8.11.2009 von m.s..
Zur Zeit betreue ich ein Projekt , in dem sich Studierende an eine qualitative Untersuchung bei PraktikerInnen trauen zu der Frage, wie sich zu Zeiten von Ökonomisierung und aktivierendem Staat ihre Arbeitssituation konkret verändert hat. Man kann auf die Ergebnisse gespannt sein. Die Interviews liegen schon vor, die Auswertung kommt noch.
Was aber jetzt schon deutlich ist: SozialpädagogInnen, die im Kontext ARGE (in Jobcentern und Beratungsstellen) arbeiten und vor drei Jahren noch unter den beengten thematischen und methodischen strukturellen sowie ethisch problematischen Vorgaben des Fallmanagements gestöhnt haben und sich fragten, ob diese Tätigkeit wirklich eine sozialpädagogische Tätigkeit sei, die sie vor sich selber verantworten können, haben sich mit ihrer Situation inzwischen arrangiert und abgefunden, ja sie sehen inzwischen echte fachliche Möglichkeiten, wie sie als SozialpädagogInnen für ihre Klientel etwas erreichen können.
Na dann ist ja doch alles in Ordnung?
Frage ist nur: Haben sich die Bedingungen für professionelle und partizipative Arbeit in diesem Bereich und vielleicht auch speziell an der konkreten Arbeitsstelle wirklich zum Positiven entwickelt? Oder haben sich die KollegInnen nur einfach an den gesetzten Rahmen gewöhnt und versuchen nun, irgendwie doch das Beste daraus zu machen?
Ich fürchte, niemand hält drei Jahre lang aus, in dem Bewußtsein zu leben und zu arbeiten, dass an den Grundlagen der eigenen beruflichen Tätigkeit etwas faul ist. Entweder er geht - und wer kann sich das leisten - oder er wird krank. Oder er versucht eben doch aus Stroh Gold zu spinnen.
Ich frage mich, was man tun kann, damit kritische Studierende, die in der Praxis ankommen, eine Chance haben, sich ihr kritisches Bewusstsein zu erhalten und Wege zu finden, gemeinsam an den Grundlagen solcher Arbeitsbedingungen zu rütteln?
Geschrieben in kritischer Blick, Diskussion, Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
30.9.2009 von m.s..
In Dortmund auf dem Campus der Universität hat vergangene Woche der 7. Bundeskongress Soziale Arbeit getagt. Dortmund hat man davon vermutlich nicht viel mitbekommen, denn genau an diesen Tagen war das Spiel Schalke 04 gegen Borrussia Dortmund das eigentliche Thema….
Für unsere Profession aber war diese Tagung wichtig und hat viele Anregungen gebracht, aber auch Einschätzungen ermöglicht über den gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Praxis im Feld Sozialer Arbeit.
Der Kongress tagte 3 Tage lang und umfasste eine Fülle Symposien, Foren, Vorträge und Arbeitsgruppen. Natürlich konnte ich mir wie jeder immer nur eine Veranstaltung gleichzeitig ansehen und habe mir so eine Interessen spezifische Schneise durch diese große und interessante Vielfalt an Angeboten geschlagen. Es waren weit über tausend TeilnehmerInnen da, viele junge Leute übrigens und das auch auf den Podien, nicht nur in den Zuhörerräumen. Von den Alten der Zunft waren viele anwesend, deren Namen man sonst nur auf den Buchumschlägen liest und mit deren Texten man sich in Seminaren herumschlägt. Manches Gesicht allerdings fehlte mir und ich habe mich gefragt, ob dieser Bundeskongress nicht von allen als abgemessenes Forum gesehen wird. Gerade diejenigen, die mit den heutigen Entwicklungen eher verharmlosend oder auch achselzuckend umgehen, waren nicht so reichlich vertreten.
.
.
Ich möchte hier in meinem Blog in den folgenden Tagen ein paar Gedanken und Beobachtungen festhalten, die ich auf dem Kongress gemacht und mit nach Hause genommen habe.
Für heute lasse ich erst mal die Veranstalter zu Worte kommen:
“Gerechtigkeit, Verantwortung und Sicherheit gehören zu den zentralen ethischen Säulen demokratischer und sozialer Rechtsstaaten und sie bilden die Grundlage für Institutionen der Sozialen Arbeit ebenso wie für das sozial- und bildungspolitische Handeln.
Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen, die Tendenzen zunehmender Spaltung und sozialen Ausschlusses offenbaren, ist die Soziale Arbeit aufgefordert, ihren Beitrag zu Programmen, Strategien und Maßnahmen der Bewältigung sozialer Risiken und Unsicherheiten zu benennen und weiterzuentwickeln. Die Interpretation der Leitbilder und Prinzipien der Sozialstaatlichkeit gehören dabei ebenso auf den Prüfstand wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Sicherung der individuellen Lebensführung.
Die Soziale Arbeit übernimmt Verantwortung sowohl für die aktive Gestaltung der Lebenslagen und lebensweltlichen Verhältnisse von Kindern, Jugendlichen, Familien, Erwachsenen und älteren Menschen als auch für die Beteiligung an dem Auf- und Umbau eines solidarischen Gemeinwesens, das die Menschenwürde achtet und die Selbstbestimmung des Einzelnen stärkt.
Damit begibt sie sich auf unsicheres Terrain. Die Zerreißproben individueller Lebensführung korrespondieren mit der Erosion bislang anerkannter gesellschaftlicher Normalitätserwartungen und zentraler sozialstaatlicher Leitideen, sie irritieren die Profession und provozieren eine konzeptionelle, theoretische und empirisch fundierte Weiterentwicklung der Konzeptionen Sozialer Arbeit. Das Ringen um die künftigen Ausprägungen von Gerechtigkeit (Verteilungs-, Leistungs-, Chancengerechtigkeit) und Sicherheit (soziale Sicherung, Handlungs- und Verfahrenssicherheit, soziale Kontrolle) wird zum Ausweis moderner Fachlichkeit. Herausgefordert wird die professionelle Identität aber auch durch Zumutungen und Erwartungen, die aus der Kooperation und Konkurrenz mit anderen Formen und Institutionen der Problembearbeitung (z. B. der Polizei/Justiz, des klassischen Bildungssystems oder der Medizin oder Psychologie) entstehen. Soziale Arbeit muss sich nicht nur angesichts gesellschaftlicher und kultureller Herausforderungen, sondern auch im Hinblick auf institutionelle Verstrickungen mit anderen Professionen und Handlungsorientierungen positionieren.
Der 7. Bundeskongress Soziale Arbeit diskutiert im Rahmen seiner Symposien, Foren und in den zahlreichen Arbeitsgruppen die aktuellen wissenschaftlichen und professionellen Erkenntnisse zu den gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren berufspraktischen Konsequenzen. Im Zentrum stehen dabei soziale (Aus-)Schließungsprozesse und die öffentlichen, professionellen und privaten Reaktionsformen auf die so entstehenden Unsicherheiten. Die mit dem Bundeskongress entwickelte Expertise für die Soziale Arbeit eröffnet die Möglichkeiten einer kritischen Reflexion und Neujustierung in Verantwortung für das Soziale.
Geschrieben in BK SozA 09 Dortm., Projekte, Infos und Fragen | Keine Kommentare »
29.8.2009 von m.s..
Da ich in der letzten Zeit immer wieder gefragt werde, wie man noch an mein Buch von 2001 kommen kann (Praxisfeld Hilfe zur Erziehung. Fachlichkeit zwischen Lebensweltorientierung und Kindeswohl) habe ich mich entschlossen, es einfach der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es lässt sich über die unten angehängten Links Kapitel weise herunterladen.
Das Buch von 2001 hat mit meinem im Winter erscheinenden Schwarzbuch Soziale Arbeit 2010 nichts zu tun außer vielleicht, dass es geschrieben wurde in einer Zeit, wo ich noch glaubte, man könne den Zumutungen der Ökonomisierung und des aktivierenden Staates einfach stur und störrisch die eigene Fachlichkeit entgegen halten.
Alles, was ich damals zur Hilfe zur Erziehung gesagt habe, würde ich heute genauso oder ganz ähnlich schreiben.
Eine Fachlichkeit, die konsequent nur auf inhaltliche und fachliche Aspekte schaut und sich von den Einschränkungen und Umsteuerungen der Ökonomisierung nicht irritieren lässt, lässt sich nur dann durchsetzen, wenn sie die Auseinandersetzung offensiv aufnimmt und die Interessendifferenzen zwischen der Profession Soziale Arbeit und dem offiziellen Sozialmanagement nicht unter den Teppich kehrt. Aber das ist auch für mich erst in den letzten 5,6 Jahren wirklich klar geworden. Darum geht es im Schwarzbuch. Gerade die Hilfe zur Erziehung wird dort besonders intensiv behandelt.
Wer meint, dass es angebracht sei, etwas für die Onlineversion des Fachbuches zu bezahlen, kann mir eine beliebige Summe als Spende auf mein Konto 1373536 Sparkasse Jena 83053030 überweisen. Ich wäre nicht böse drum und könnte das zur Deckung der Summe nutzen, die ich für das Schwarzbuch ausgebe, damit das einen erschwinglichen Preis behalten wird (um die 20 Euro).
hilfe-zur-erziehung_inhalt_vorwort_einleitung.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-1.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-2.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-3.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-4.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-5.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-6.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-7.doc
hilfe-zur-erziehung_kapitel-8.doc
hilfe-zur-erziehung_literatur_anhang.doc
Geschrieben in Texte von mir, Projekte, mein Schwarzbuch, Infos und Fragen | Keine Kommentare »