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Archiv der Kategorie Infos und Fragen

Filmbeitrag zur kritischen Sozialen Arbeit

Der Tagungsfilm der Tagung  AUFSTEHEN  WIDERSPRECHEN  EINMISCHEN  vom Juni diesen Jahres ist fertiggestellt

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Vorspann:

Es wird Zeit, dass Soziale Arbeit anfängt, sich gegen die ihr seit Jahren zugefügte Vermarktlichung, gegen ihre fortschreitende Deprofessionalisierung sowie gegen die menschenverachtenden, sozialpolitischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft zur Wehr zu setzen.
Deshalb haben wir diese kritische Tagung ins Leben gerufen.
150 SozialarbeiterInnen aus allen Ecken Deutschlands kamen am 17.6.2011 nach Berlin, weil sie nicht länger zusehen und schweigen wollen …

Ihr könnt ihn euch ansehen unter www.einmischen.com , Tagungsrückblick/Film

oder direkt zum Film

In Berlin hat ein neues AKS Treffen stattgefunden

Am vergangenen Donnerstag haben sich 16 Leute zum ersten AKS Treffen in Berlin eingefunden. Etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen waren in Bachelor- oder Masterstudiengängen involviert, die anderen kamen aus der Praxis. Zwei Hochschullehrerinnen waren auch da.
Schön war, dass die Gruppe sich alle Zeit der Welt genommen hat, um in der Runde die verschiedenen Sichtweisen und Kritikpukte der Einzelnen anzuhören und dann auch darüber zu sprechen. Die Atmosphäre war angenehm und locker. Niemand hat versucht, sich in den Vordergrund zu spielen.(Die beiden Hochschullehrerinnen haben sich zumindest darum bemüht). :)

Die Gruppe hat sich darauf geeinigt, sich in Zukunft ein mal im Monat zu treffen und zwar in der Regel am letzten Montag im M0nat.
Die nächsten Termine sind:
01.9.2011 um 19.30 Uhr  Kinzigstr. 9 (ausnahmsweise an einem Donnerstag)
26.9.2011 um 19.30 Uhr Kinzigstr. 9

Eine interessante Erfahrung und ein vielversprechender Start!

Die Studierenden, so fiel mir auf, waren durch die Bank unzufrieden mit den unkritischen Lehrinhalten und der oberflächlichen und neoliberal angepassten Konzeption der Sozialen Arbeit. Sie möchten sich gerne mit Fragen auseinandersetzen wie: Was ist eigentlich Soziale Arbeit, wie kann bzw. könnte sie aussehen unter anderen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Bedingungen? Die anwesenden PraktikerInnen schlagen sich Tag aus Tag ein mit den Ärgernissen vor Ort herum: mit den prekären Arbeitsverhältnissen, unter denen sie selber leiden, mit den zu knappen Zeitkontingenten, den vorgeschriebenen methodischen Zugängen, die es kaum ermöglichen, KlientInnen wie Menschen zu behandeln und ihnen respektvoll zu begegnen usf. Sie wollten versuchen, solche Bedingungen zu bennen, dagegen Schritte zu ergreifen, die Öffentlichkeit zu informieren, sich mit der Politik und der Verwaltung darüber argumentativ auseinander zu setzen.
Auf den ersten Blick sah es aus, als gäbe es zwei verschiedene Interessenschwerpunkte, die man nicht unter einen Hut bekommen würde.  In der Diskussion wurde bald klar, dass die praktischen Probleme nicht wirklich angegengen werden können, wenn die politische, theoretische und fachlich-wissenschaftliche Basis nicht wirklich geklärt wurde. Und umgekehrt macht das Herunterbrechen der theoretischen Überlegungen auf ganz konkrete Probleme und Situationen aus der Praxis diese Überlegungen erst nützlich und sinnvoll.
Die Gruppe will jetzt beides machen: sie will theoretische Fragen diskutieren und gleichzeitg immer auch gemeinsame Strategien für konkrete Probleme der Praxis erarbeiten und in die Tat umsetzen. Der Versuch, sich weiter und umfassend zu vernetzen, mit KollegInnen zu diskutieren und bei den eher Unpolitischen und Angepassten Aufklärung zu betreiben, sowie der Versuch, mit Öffentlichkeitsarbeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, sind weitere Arbeitsaufgaben, die die Gruppe sich gesetzt hat.

Die Gruppenmitglieder waren durchweg an einer kritischen Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Sozialen Arbeit interessiert und suchten für sich dringend Gleichgesinnte und einen Ort, wo sie über diese Fragen offen und angeregt reden können.

Man kann gespannt sein, wie es weiter geht.

Kritik am eigenen Unternehmen oder am Träger - ein Kündigungsgrund? Nein!

Darf ein Arbeitnehmer die Arbeitsverhältnisse in seinem Betrieb öffentlich kritisieren? Er darf!

Diese Frage beschäftigt seit langem viele KollegInnen in der Sozialen Arbeit. Viele fühlen sich ohnmächtig, weil sie meinen, dass sie sich selber schaden und einer Gefahr aussetzen, wenn sie ihre Meinung laut sagen. Für viele steht scheinbar fest, dass das öffentliche Kritisieren fachlich unzumutbarer Zustände beim eigenen Arbeitgeber und in seinem Unternehmen (z.B. zu wenig Zeit, um die Aufgaben im Sinne der KlientInnen und der Fachlichkeit zu lösen)  gegen die Loyalitätspflicht zum Arbeitgeber verstößt, weil sie unerlaubt Dienstgeheimnisse ausplaudert und dem Unternehmen wirtschaftlichen Schaden zufügen kann. Genauso sehen das ohne Frage auch die Unternehmen im Sozial Bereich selber.

Es bedurfte des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), um der deutschen Justiz klar zu machen, dass ein Arbeitnehmer, der öffentlich die Arbeitsverhältnisse an seinem Arbeitsplatz und bei seinem Unternehmen anprangert, nicht gekündigt werden darf. Diese Entscheidung wurde am vergangenen Donnerstag veröffentlicht.

Für die deutschen Behörden und Gerichte stand 6 Jahre lang der Schutz der Interessen des Unternehmens  über der Meinungsfreiheit der ArbeitnehmerInnen und über der Notwendigkeit, Kritik auszusprechen und Wahrheiten zu verkünden, die gegen die erforderliche Fachlichkeit und die Würde der Klientel verstoßen.

.

Frau Brigitte Heinisch, Altenpflegerin, Beschäftigte des Berliner Gesundheitszentrums Vivantes,  hatte schon 2002 - zusammen mit anderen Kolleginnen - die Geschäftsleitung darauf hingewiesen, dass die Pflegekräfte in ihrer Einrichtung überlastet waren und deshalb die PatientInnen nicht angemessen versorgen konnten. Alle Beschwerden blieben ungehört und blitzten ohne Erfolg ab. Im Gegenteil. Sie wurde verwarnt mit dem Hinweis, dass es nicht das Recht der MitarbeiterInnen sei, mit Äußerungen wie ” Wir haben zu wenig Zeit .” oder “Wir sind zu wenig Personal” an die Öffentlicheit zu treten. Solche Äußerungen würden dem Unternehmen schaden und seinen deshalb unbedingt zu unterlassen. Andernfalls drohten Konsequenzen. 2004 schließlich stellte Brigitte Heinisch Strafantrag gegen Vivantes und wurde promt gekündigt.
Dass diese Kündigung zu Unrecht ausgesprochen wurde, ist jetzt klargestellt. Frau Heinisch wurden 15 000 Schadensersatz zugesprochen.

In der Jungen Welt können die Einzelheiten nachgelesen werden. Die sonstige Presse hält sich zurück. Wie so oft kam einmal in den Radionachrichten eine kurze Information. Abends war sie schon nicht mehr zu hören und auch im Internet musste ich lange suchen, um irgendeinen Hinweis aufzutreiben.

Ich fand dabei nur folgende interessante Argumentationen, die durchaus auch für uns nützlich sein könnten:

 

Auszug:

Im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses bestehen gewisse Loyalitätspflichten zwischen den Parteien, so eine gegenseitige Rücksichtnahmepflicht. Hier treffen sich zwei Grundrechte: Auf der einen Seite steht das durch Art.12 Grundgesetz (GG) geschützte Interesse des Arbeitgebers, nur mit solchen Mitarbeitern zu arbeiten, die die Ziele des Unternehmens fördern und es vor Schäden bewahren; auf der anderen Seite steht das durch Art. 5 GG geschützte Recht des Arbeitnehmers auf freie Meinungsäußerung.

Eins ist klar: Unwahre Tatsachenbehauptungen und ehrverletzende Äußerungen unterfallen nicht dem Schutz der Meinungsfreiheit, so dass solche Verhaltensweisen je nach Erheblichkeit mit einer Abmahnung oder sogar mit einer außerordentlichen Kündigung geahndet werden können.

Was aber ist mit an und für sich zulässigen Äußerungen? Auf XING beklagt sich ein Arbeitnehmer darüber, dass ältere Mitarbeiter im Unternehmen nicht geschätzt und  mehr oder weniger offen gedrängt würden, auszuscheiden - ein Hohn sei es, dass das Unternehmen sich dann allerdings in den Medien als Vorzeigeunternehmen mit ausgewogener Personalstruktur darstelle.

Darf der Arbeitgeber solche Äußerungen verbieten? Man wird das nur in engen Ausnahmefällen so sehen können, da der Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft ein hoher Stellenwert zukommt: Das Bundesverfassungsgericht hat sie seinerzeit im Lüth-Urteil (Urt. v. 15.01.1958, Az. BVerfG 7, 198) als eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt bezeichnet.

Denkbar ist die Sanktionierung einer Äußerung nur in Fällen, in denen der Betriebsfrieden erheblich gestört wird oder dem Unternehmen offensichtlich ein merklicher Schaden droht. Lästert also zum Beispiel der Mitarbeiter eines Gebäudereinigungsunternehmens via Twitter darüber, dass die Mehrzahl der Reinigungskräfte ihren Job schlecht macht, dann droht dem Reinigungsunternehmen ein merklicher Schaden, denn potenzielle Auftraggeber werden lieber eine andere Firma beauftragen.

Der Arbeitgeber wird in solchen Fällen die konkreten Äußerungen untersagen können. Im Rahmen seiner Rücksichtnahmepflicht kann er kritische Äußerungen jedoch nicht komplett verbieten.

Mut zur unbequemen Wahrheit

Das Grundrecht  der Meinungsfreiheit  schützt die Meinungsvielfalt.  Die Meinungsvielfalt funktioniert, wenn es in einer Gesellschaft Menschen gibt, die den Mut haben, auch unbequeme Wahrheiten zu äußern.

 Für das Arbeitsleben gilt nichts anderes: Ein Arbeitgeber sollte kritische oder sich positionierende Mitarbeiter nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen.

 

Der Autor Christian Oberwetter, Rechtsanwalt und Maître en droit, ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und IT-Recht in Hamburg und Verfasser zahlreicher Publikationen auf diesen Gebieten.

kleiner Tagungsbericht

Sozialpoltische Tagung zur Lage der Sozialen Arbeit

AUFSTEHEN – WIDERSPRECHEN –EINMISCHEN

17./18. Juni 2011 Berlin

 Mit stürmischem Applaus für die auf der Tagung erarbeitete gemeinsame Resolution endete nach 2 Tagen eine Ergebnis reiche und Mut machende Tagung.

 150 KollegInnen (davon 2/3 aus der Praxis, ca. 20 HochschullehrerInnen, ¼ Studierende, 1/3 aus allen Teilen Deutschlands und 2/3 aus Berlin) haben zwei Tage lang über die aktuellen und brennenden Fragen unserer Profession diskutiert.

Neben den Versuchen, zu begreifen, was da eigentlich in unserer Profession geschieht, wem es dient, und wen es gefährdet, ging es den TeilnehmerInnen vor allem darum, wie es gelingen kann, sich gegen die Entwicklungen der Deprofessionalisierung, der Entpolitisierung und der Vermarktlichung unserer Profession und gegen die Vereinnahmung durch neoliberale und neokonservative Konzept zur Wehr zu setzen.

Die 8 Workshops befassten sich mit Themen wie z.B. Klientendiskriminierung, Ökonomisierung, Gemeinsam sind wir stakr, Prekarisierung der Sozialen Arbeit, fachliche Kernelemente u.a. mehr. Ein Theaterworkshop machte uns mit der Methode des Forumtheaters vertraut (Theater der Unterdrückten). Unvergesslich die kleine Aufführung der Gruppe am ersten Abend mit „Maschine Soziale Arbeit“)

Die WorkshopleiterInnen kamen aus allen Bundesländern und waren erfahrene PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen..

 Daneben wurden mehrere Vorträge gehalten, die als Hintergrund der Tagungsarbeit sehr hilfreich waren.

Prof. Dr. Seithe sprach zum Thema: Die problematische Geduld unserer Profession angesichts der aktuellen Lage er Sozialen Arbeit.
Prof. Dr. Thiersch befasste sich mit der Autonomie der Fachlichkeit der Sozialen Arbeit. Der Vortrag war ein Fest für alle, die ihre Profession in ihren Kernelementen und ihren ethischen und politischen Zusammenhängen wieder einmal neu begreifen wollten. (Wir werden versuchen, im Laufe des Sommers den Vortrag von Prof. Thiersch in mehreren Teilen in Youtube zu setzen).
Prof. Rosemarie Karges legte die aktuellen Ergebnisse ihrer jüngsten Online-Befragung zur Arbeitssituation von Sozialarbeitenden und zu deren Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen vor.
Zum Thema „Keine Kraft zum Wehren“ stellte Frau Dr. Conen praktische und hilfereiche Beispiele für widerständiges Verhalten in der Praxis vor.

Die Atmosphäre auf der Tagung war sehr schön, ausgesprochen angenehm, befreiend und solidarisch. Man konnte ahnen, was es bedeuten und heißen würde, wenn es uns gelänge, als solidarische Gemeinschaft aufzutreten und gemeinsam berufspolitische uns sozialpolitische Positionen zurückzuerobern und zu erkämpfen.

 Es entstand eine Fülle von Ideen und Projekten. Vernetzungen wurden angebahnt, Strategien wurden diskutiert. Hierfür war viel Zeit vorgesehen. Dennoch hat die Zeit nicht gereicht.

Wir hoffen, dass die Impulse, die Anregungen und der Mut, den viele auf der Tagung schöpfen konnten, nicht einfach verrauchen werden. Wir gehen davon aus, dass hier und an vielen Orten Ernst gemacht werden wird mit „aufstehen –widersprechen – einmischen“.

Wir sind sicher, dass die TeilnehmerInnen diese Erlebnisse und Erfahrungen in ihrem Umfeld,  in ihren Teams und in ihren Organisationen umsetzen und weiterführen werden.

Die nächste Tagung dieser Art darf nicht erst in 5 Jahren kommen. Alle TeilnehmerInnen sind aufgerufen, den Faden aufzugreifen und weiter zumachen.

Wer mehr über die Tagung und die daraus entstehenden Projekte, Vernetzungen und Initiativen wissen will, kann sich schon jetzt und in den kommenden Wochen (wenn Schritt für Schritt die Tagungsergebnisse eingestellt werden) über unseren Blog

http://sozialearbeit.einmischen.info  oder auf unserer Homepage: www.einmischen.com

informieren.
Derzeit sind schon hunderte Fotos von der Tagung zu besichtigen. Demnächst können wir unseren kleinen „Mutmacherfilm“ vorstellen, eine kurze Dokumentation der Tagung, die gleichzeitig versucht, für andere die Problematik rüberzubringen und Ideen und Lösungen vorzustellen – aber auch anzuregen.

 

 

Eine spannende Tagung!

Die Tagung - aufstehen-widersprechen-einmischen- war ein großer Erfolg. 150 SozialarbeiterInnen waren dabei, 2/3 davon aus der Praxis.

Wir haben alle sehr viele Impulse  mit genommen, die Atmosphäre war schön.

Ich werde in den nächsten Tagen mehr darüber berichten. Wer jetzt schon mehr erfahren will:

http://sozialearbeit.einmischen.info

Und hier ein paar Eindrücke…

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DBSH Kongress Jugendhilfe in Stendal

Ende letzter Woche fand der DBSH Jugendhilfe-Kongress in Stendal statt, der unter dem Motto stand:

SIND WIR NOCH ZU RETTEN?                             img_5427.JPG

Ich war eingeladen um einen Vortrag zu halten über die Folgen der Ökonomisierung für die Praxis der Sozialen Arbeit.

Hier ein paar Nachgedanken:

Zunächst Stendal. Eine schöne Stadt mit vielen mittelalterlichen Wohnhäusern und jeder Menge Backsteingotik. Eine Stadt mit viel Platz, viel Grün zwischen den Straßen, was zum einen wohl mit dem Rückbau von Plattenbauten nach der Wende, andererseits damit zu tun hat, dass Stendal wie z.B. auch Neubrandenburg eine Stadt mit Ackerbürgern war, also mit Bürgern, die gleichzeitig Gärten und Felder bestellten. Ich werde bestimmt noch einmal hin fahren, an irgendeinem Sommerwochenende.

Dann die Hochschule. Als ich am Abend vor der Tagung zu Fuß dort hinging, um einmal alles anzusehen, war es zwischen den drei großen gelben Häusern (ehemalige Kasernen der sowjetischen Armee)  und auf dem dazwischen liegenden Campus menschenleer. Am nächsten Tag machte die Stendaler Hochschule (Zweigstelle der Hochschule Magdeburg) aber  einen sehr freundlichen, irgendwie gemütlichen und auch belebten Eindruck. Die Betreuung durch Studierende der Sozialen Arbeit während der Tagung war perfekt und herzlich. Das Größte waren für mich die kleinen in Alufolie eingewickelten Grillspezialitäten aus Feta und Paprikastreifen, zu denen uns die StudentInnen  am Abend vor dem Mensaeingang einluden. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass sich die Studierenden hier richtig  zu Hause fühlten.

Der Fachbereich für angewandte Humanwissenschaften umfasst einige hochinteressante und innovative Studiengänge. In Stendal gibt es z.B. den einzigen deutschen Studiengang für Kindheitswissenschaft. Prof. Dr. Michael Klundt, der diesen Studiengang leitet, hielt einen sehr beeindruckenden Vortrag zum Thema Kinderarmut, Vermarktlichung des Sozialen und Umgang unserer Gesellschaft mit dem Armutsthema.

Es gab auch darüber hinaus eine ganze Reihe von Vorträgen, alle versuchten sich zur Tagungsfrage zu positionieren: Ist die Soziale Arbeit noch zu retten? Muss sie überhaupt gerettet werden?
Die Tagung brachte viel an Informationen und auch eine ganze Menge an Ideen und Überlegungen dazu, wie man die Rettungsaktion denn nun gestalten könnte. Denn dass es nötig ist, sie zu retten vor einer Totalvereinnahmung durch den neoliberalen aktivierenden Staat und seine Vermarktlichung und Instrumentalisierung von Menschen, darüber bestand bei den TeilnehmerInnen, dem Veranstalter und den meisten Rednern Einigkeit.

Schade war, dass die Zeit immer sehr knapp bemessen war und für Diskussionen der TeilnehmerInnen nur sehr begrenzt Zeit übrig blieb. Wenn aber diskutiert werden konnte, merkte man, wieviel die Anwesenden auf dem Herzen hatten und wie kompetent und  kritisch sie mit der Materie umgehen konnten.

Am Ende entstanden durch die gesammelten Themen und Diskussionsergebnisse die “Stendaler Thesen”, die im Plenum verabschiedet wurden und in Kürze veröffentlicht werden sollen.

Es herrschte trotz der angespannten  Zeitschiene die ganze Zeit über eine gute Atmosphäre. Die VertreterInnen des DBSH verstanden es ausgezeichnet, durch die Tagung zu führen und brachten die anstehenden Themen und Fragen unmissverständlich auf den Tisch: Den neuen Entwicklungen in der Sozialen Arbeit, so stellte bei ihrer Begrüßung die Vertreterin des Vorstandes des DBSH, Frau  Bauer-Felbel  fest, begegnen viele PraktikerInnen mit Wut und Kampfeslust - aber auch mit Trauer und Empörung. Jeder konnte sich selber überlegen, womit er reagiert und wie er regieren möchte.
Die Tagung jedenfalls machte Lust darauf, weiterzumachen, gemeinsam weiterzudenken und  etwas zur Rettung unserer Profession zu tun.

Nutzen oder Schaden durch das New Public Management?

ein anderer Splitter von der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:

Fabian Kessl, der sich in seinem Vortag mit der “Neuen Steuerung” beschäftigte, stellt am Ende die Frage, ob die Einführung des New Public Management denn die Erwartungen erfüllt habe, die bei ihrer Einführung daran geknüpft wurden von vielen Sozialpädagogischen Fachkräften und Wissenschaftlern: die Enthierachisierung der Sozialen Arbeit z.B. in den Ämtern, mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung, mehr Phantasie und Ideen in der Sozialen Arbeit, mehr Anerkennung durch die Gesellschaft, mehr Qualität usf.
Er kam zu der Antwort, dass das nicht der Fall sei, dass heute selbst die Verfechter des New Social Managements zugeben müssen, dass die meisten Erwartungen unerfüllt blieben.

Ich frage mich, ob das die entscheidende Frage ist, die man stellen kann.

Gut zu wissen, dass selbst diese Erwartungen  nicht erfüllt, ja zum Teil sogar konterkariert wurden.
Aber die entscheidende Frage bei der Bewertung des Sozial Managements in der Sozialen Arbeit, bei der Unterwerfung der Sozialen Arbeit unter Marktprinzipien muss ja wohl sein: Was hat all das aus der Sozialen Arbeit gemacht?
Ist das, was der aktivierende Staat uns abverlangt und ist das, was Ökonomisierung und Verbetriebswirtschaftlichung mit unserer Profession anstellen, für unsere Profession erträglich? Ist es überhaupt mit unserer Fachlichkeit und unserer Ethik vereinbar? Und welche konkreten Folgen müssen für die Klientel, die SozialarbeiterInnen selber, für die sozialpädagogischen Prozesse und für das, was Soziale Arbeit ist, wie sie sich versteht, welche Aufgaben sie versucht zu lösen und für welche Zielgruppen sie sich engagiert bzw. engagieren darf, festgestellt werden?

Ich behaupte, dass das unsere Profession dominierende Marktverständnis nicht nur nichts gebracht  hat, es hat vor allem geschadet.

Warum tun die denn nichts für uns?

kleiner Splitter aus der Diskussion der letzten Ringvorlesung “Das Politische im Sozialen” an der FH Jena:

Fabian Kessl erwähnte in seinem Vortrag, dass  man manchen Widerstand im Rahmen seiner alltäglichen, fachlichen Arbeit leisten kann, dass es aber viele Themen und Möglichkeiten gäbe, die man am besten gemeinsam, etwa im Verband, in einer Gewerkschaft angehen könne.

Ein Student fragte, wieso denn in solchen Zusammenhängen immer wieder gerade die Gewerkschaften genannt würden. Die täten doch gar nichts für uns!

Da hat jemand was falsch verstanden, dachte ich.

Gewerkschaften sind keine Dienstleistungen und auch  keine Instanzen, die sich fürsorglich sozusagen im allgemeingesellschaftlichen Auftrag für bestimmte Gruppen einsetzen.

Letztlich sind sie so etwas wie Selbsthilfegruppen zur Durchsetzung gemeinsamer politischer und beruflicher Interessen von Arbeitnehmern.

Nur wenn man sich dort engagiert und wenn dies viele gemeinsam tun, können sie auch  etwas für uns tun. Von alleine geht das nicht. Ohne Mitglieder kann auch unser Berufsverband (DBSH) weder als Berufsverband noch als Gewerkschaft (die er ja auch ist), nur wenig Macht und Kraft entfalten.

Warum bloß tun wir eigentlich nichts für uns?

Kritische Gruppen, Initiativen, Aktionen gesucht!

es ist einen Versuch wert:          schiene.JPG

Im Rahmen einer Diplomarbeit, die ich betreue, recherchieren wir nach Gruppen, Veranstaltungen, Initiativen und Projekten, die sich mit kritischer Sozialer Arbeit befassen bzw. die sich als kritische Soziale Arbeit verstehen.

Es ist sehr, sehr schwer, hier einen Überblick zu bekommen. Wir haben ohnehin nicht die Illusion eine vollständige oder auch nur repräsentative Übersicht erarbeiten zu können. Aber es soll ein Anfang werden, ein erster Versuch, unsere Kräfte zu sortieren und zu bündeln.

Deshalb wäre es super, wenn LeserInnen dieses Blogs uns Hinweise und Informationen geben können. Das geht hier im Blog als Kommentar. Ihr könnt aber auch an meine mail-adresse direkt schreiben (s. Impressum) .

Danke im Voraus!


da tut sich was …

Folgende Aussage flatterte auf meinen Schreibtisch…

In den letzten Jahren ist eine zunehmende (vorwiegend disziplininterne) Auseinandersetzung Sozialer Arbeit mit ihrer Verwobenheit in gegenwärtige gesellschaftliche „Transformationsprozesse“ zu verzeichnen:

• Bundesweit wie regional haben sich „Arbeitskreise kritischer Sozialer Arbeit“ (AKS) gegründet, die auf je individuelle, dennoch stets kritisch-reflexive Weise eine Plattform kritischen Gegendenkens/ kritisch-solidarischen oder auch widerständigen Handelns angesichts vorherrschender sozialpolitischer Zumutungen bieten (www.kritischesozialearbeit.de);

• Auf zahlreichen Tagungen, in Workshops oder Ringvorlesungen oder auf Diskussionsveranstaltungen wird der gegenwärtige „Zustand“ Sozialer Arbeit angesichts neoliberaler bzw. neosozialer problematisiert; es wird nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, „Kritik“ zu üben, Soziale Arbeit aus dem Schatten der Sprachlosigkeit zu holen und sich offensiv politisch zu positionieren;

Zahlreiche Veröffentlichungen (u.a. im Rahmen der „Widersprüche“ oder der VS Verlagsreihe „Perspektiven kritischer Sozialer Arbeit“ ), insbesondere das von Seithe veröffentlichte „Schwarzbuch Soziale Arbeit“ oder die vom Wiener Verein kriSo her-ausgegebene Sonderband „Kritische Soziale Arbeit“ der Zeitschrift „Kurswechsel“ räumen der o.g. Thematik breiten Raum ein;

• In Bremen hat sich mit dem „Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung e.V.“ ein Forschungsinstitut gegründet, das sich explizit kritisch-politisch verortet und positioniert (www.bisa-bremen.de).

• In Wien stößt der Verein „kriSo“ seit einigen Jahren kritische Praxisreflexion und einen intensiven Transfer zwischen den unterschiedlichen Akteuren in Wissenschaft wie Praxis Sozialer Arbeit und (lokaler) Politik an (www.kriso.at).

• Über das Internet wird ein umfangreicher Newsletter („Hochwasser Kinderschutz“ von Klaus Wörsdörfer) verschickt, Mechthild Seithe stellt mit ihrem blog „Soziale Arbeit –Zukunftswerkstatt“ eine Plattform für kritischen Austausch zum Mitmachen online (http://zukunftswerkstatt-soziale-arbeit.de/)

• ….. sicherlich noch vieles mehr!

Wenn man anfängt, gezielt zu suchen, wird man erstaunlich fündig!